Kuriose Zollverhandlungen der EU mit den USA
Die EU unterwirft sich bei Zollverhandlungen Trumps Vorgaben
Die EU unterwirft sich bei Zollverhandlungen Trumps Vorgaben
Ein Deal à la Trump: Europa am Katzentisch?
Für Trump war es ein „Big Deal“. Für Europa eher ein unausgewogenes Abkommen. Denn während Trump sich als Sieger inszenierte, reisten europäische Vertreter defensiv an. Sie akzeptierten am Ende ein Abkommen, das die europäischen Interessen kaum berücksichtigt und einer Kapitulation gleichkommt, aber das aktuelle Machtgefälle realistisch darstellen.
Die sieben wichtigsten Punkte des EU‑USA‑Trade Deals
1. Deutsche Automobilbranche zahlt künftig kräftig in den US-Haushalt
Trotz der Erleichterung durch die Senkung der Zölle von 27,5 Prozent (die seit April 2025 gelten) auf 15 Prozent betont der Verband der Automobilindustrie (VDA), dass die 15 Prozent Zölle immer noch eine erhebliche Belastung für die Unternehmen darstellen. Allein Volkswagen meldete 1,3 Milliarden Euro Zusatzkosten in nur vier Monaten. Auch Marken wie BMW, Mercedes, Audi, Porsche und Opel müssen nun deutlich höhere Abgaben leisten als noch vor einem Jahr. Damals galten 2,5 Prozent Einfuhrzoll. Und dies nur für den bloßen Zugang zum US-Markt: Damit hat Trump sein klares Ziel erreicht: Milliarden fließen in die US-Staatskasse.
2. Keine Kehrtwende bei Stahl und Aluminium
Beim Thema Stahl und Aluminium konnte keine Änderung erzielt werden. Somit bleiben die seit Anfang Juni geltenden Änderungen, nämlich die Erhöhung der Zölle von 25 auf 50 Prozent, vorerst bestehen. Fakt ist: Durch diese staatlich administrierten Preise verlieren die deutschen Stahlanbieter de facto ihren US-Markt.
3. Arzneimittelhersteller und Halbleiterindustrie müssen weiter zittern
Hinsichtlich einer möglichen Zollerhöhung muss die Pharma- und die Halbleiterindustrie noch weiter bangen. Im Raum stehen sogar mehr als die flächendeckenden 15 Prozent Zölle für die deutschen Hersteller. Die deutsche und europäische Pharmaindustrie zeigt sich besorgt über die möglichen Auswirkungen von Zollvereinbarungen und Handelsabkommen, insbesondere im Hinblick auf die USA. Die Einführung von Zöllen auf Arzneimittel könnte die Preise erhöhen und die Versorgungssicherheit gefährden.
4. Ausbau von LNG-Importen aus den USA
Die EU sagte zu, künftig mehr Flüssigerdgas (LNG) aus den USA zu importieren. Sie verpflichtete sich in den kommenden Jahren Flüssigerdgas (LNG) im Wert von 750 Milliarden US-Dollar abzunehmen.
5. Europa investiert zusätzlich in den USA
Vereinbart wurde auch, dass europäische Unternehmen zukünftig zusätzlich zu den bisherigen Milliarden, die bei den Firmen in den Planungsunterlagen stehen, rund 600 Milliarden Dollar in den USA investieren.
6. Rüstungsmilliarden fließen in die USA
Die von der EU beschlossenen Milliarden für Verteidigungsausgaben sollen zukünftig zu den amerikanischen Waffenproduzenten Lockheed Martin, Northrop Grummann und Co. fließen.
Fakt ist: Trotz aller Bemühungen der europäischen NATO-Staaten in der Vergangenheit, sich in der Verteidigungspolitik stärker von den USA zu emanzipieren, sind manche Waffensysteme aus US-Produktion schlicht alternativlos.
7. Europa bleibt Null-Zoll-Zone für USA
Der Plan der Europäer, Zölle auf US-Waren wie Whiskey, Zitrusfrüchte oder Motorräder sowie Strafmaßnahmen gegen Google und Co. durchzusetzen hat nicht funktioniert.
Fazit: Ein schlechter Deal für Europa
Die Zolleinigung ist für die deutsche Wirtschaft unterm Strich kein Grund zur Erleichterung. Sie ist besser als das, was man in den vergangenen Wochen fürchtete, aber schlechter als alles, was man sich vor einem Jahr noch vorstellen wollte. Besonders die deutsche Autoindustrie trägt höhere Kosten, um weiterhin auf dem US-Markt präsent zu bleiben.
Vor allem auf viele Industrieunternehmen kommen neue Lasten zu - seien es Zollkosten, schwächere US-Nachfrage oder Investitionen in US-Standorte, alternative Märkte und veränderte Lieferketten. Der bisher ohnehin schwächliche Aufschwung wird also noch einmal einen Dämpfer bekommen.