Versorgungswerk (für Freiberufler)

Die Altersrente beim Versorgungswerk

Die berufsständigen Versorgungswerke sichern insbesondere die Altersversorgung der Freiberufler wie Ärzte, Rechtsanwälte, Apotheker und Steuerberater.

Der Unterschied zwischen Versorgungswerk und gesetzlicher Rentenversicherung

Entscheidendes Kriterium der Unterscheidung ist die Finanzierungsart der Renten. Die Altersvorsorge beim Versorgungswerk ist kapitalgedeckt. Die selbst eingezahlten Beiträge der Mitglieder profitieren von einer Verzinsung und werden als Rente ausgezahlt. Zudem befinden sich ausschließlich Menschen mit überdurchschnittlichem Einkommen im Portefeuille.

Bekanntlich findet die Finanzierung in der gesetzlichen Rentenversicherung dagegen nach dem Umlageverfahren statt. Die heutigen Arbeitnehmer finanzieren die Renten der heutigen Rentner usw. Rücklagen können nicht gebildet werden. Durch die zunehmende Überalterung der Gesellschaft mit abnehmendem  Anteil Erwerbstätiger im Verhältnis zur steigenden Anzahl der Rentner gerät das Verfahren ins Ungleichgewicht. Die zukünftigen Renten sind nicht gesichert. Diese Lücke muss immer mehr durch Steuern geschlossen werden.

Sind freiwillige Zusatzbeiträge sinnvoll?

Ohne jegliche Wahlmöglichkeit existieren beim Versorgungswerk Pflichtbeiträge, die per Satzung festgelegt sind (z.B. Ärzteversorgung Nordrhein). Die bereits erwirtschafteten Gewinne sind ansehnlich.

Besteht darüber hinaus die Notwendigkeit, freiwillig Zusatzbeiträge zu zahlen? Erhöhen diese die Rentenansprüche? Grundsätzlich gilt es, dies zu verneinen. Wesentlich effektiver  ist die private Vorsorge, wie sie z.B. die Zusatzversorgung der Klinikrente bietet.

Denn die Renditemöglichkeiten zwischen Versorgungswerk und privater Altersvorsorge sind annähernd gleich hoch (siehe: Versorgungswerk – Renditecheck).

Entscheidend sind demnach andere Kriterien, hier die wesentlichen:

  • Vererbbarkeit
  • Kapitalauszahlungswahlrecht anstatt Rentenzahlung
  • Steuerliche Effekte während der Einzahlungs- und Auszahlungsphase

In Ergänzung zum Versorgungswerk können betriebliche und private Altersvorsorge empfohlen werden.

Die aktuellen Probleme des Versorgungswerks

Eine Rentenkürzung durch die Anhebung des Regelrentenalters von 65 Jahre auf 67 Jahre fand für die Mitglieder bereits im Jahr 2006 statt.

„Es stellte sich heraus, dass die Lebenserwartung der Freiberufler um ca. 20% höher liegt als die der Gesamtbevölkerung. …Das heißt,.. Renten und Rentenanwartschaften müssten bei sofortiger Anwendung der Richttafeln um 8% korrigiert werden.“

— Quelle: Alterssicherung: Neue Bescheidenheit; Dtsch Arztebl 2011; 108(34-35): A-1785 / B-1523 / C-1517

Dieser Rentenkürzungseffekt wird wohl durch die Niedrigzinspolitik sowie steigender Finanzierungsprobleme weiter zunehmen.

Einen Garantiezins - im Gegensatz zum Versicherungsgewerbe- existiert beim Versorgungswerk nicht.

Vorsichtige Kalkulationen sind daher beim Versorgungswerk unabdingbar, wenn man eine Absenkung des Rechnungszinses für die Mitglieder vermeiden möchte.

Der Renditecheck beim Versorgungswerk

Zumeist geht man beim Versorgungswerk von einer Rendite in Höhe von 4% aus. Diese Erwartung wird alljährlich bekannt gegeben. Entscheidend für die tatsächliche Realisierung dieser Rendite ist die Wirtschaftlichkeit. Andernfalls drohen Rentenkürzungen.

Wenn man sich rechtzeitig mit der Thematik befasst, kann gut abgeschätzt werden, ob zusätzlich privat oder betrieblich vorgesorgt werden sollte.

Einen Überblick über die Renditen der namhaften Versorgungswerke sehen Sie am Ende dieser Ausführung (Quelle: Wirtschaftswoche Online vom 16.10.2012 sowie Geschäftsberichte der Versorgungswerke).

Zum Vergleich: Die Allianz,  Marktführer der privaten Altersversorgung, bietet 4% Gesamtverzinsung (Quelle: Geschäftsbericht 2015).

Im Jahr 2016 beträgt die Verzinsung der Klinikrente 3,85 % (Quelle: Klinikrente)

Nordrheinische Ärzteversorgung

Zahlende Mitglieder: 46155
Rentner: 15353
Kapitalanlagen: 9.545 Millionen Euro

Nettorendite:

200920102011201220132014
3,5%4,1%3,54%4,11%2,6%3,57%

Quelle: (www.nordrheinischeaerzteversorgung.de, Geschäftsbericht 2013, 2014)

Bayerische Ärzteversorgung

Zahlende Mitglieder: 92500
Rentner: 29700
Kapitalanlagen: 16.803 Millionen Euro

Nettorendite:

200920102011201220132014
4,8%4,9%4,0% (3,59%)4,33%4,1%3,85%

Quelle: Jahresbericht 2012,2014 der Bayerischen Ärzteversorgung

Baden-Württembergische Versorgungsanstalt für Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte

Zahlende Mitglieder: 53565
Rentner: 17658
Kapitalanlagen: 10.148 Millionen Euro

Nettorendite:

200920102011201220132014
10,1%6,7%2,4%4,1%*4,03%*4%

* Rechnungszins (Versorgungsbriefe, hier aber keine Nettorendite sondern interner RECHNUNGSZINS, habe auch von BWVÄ keine Angaben zur Nettorendite erhalten)

Ärzteversorgung Westfalen-Lippe

Zahlende Mitglieder: 40446
Rentner: 14296
Kapitalanlagen: 10.155 Millionen Euro

Nettorendite:

200920102011201220132014
4,2%4,4%3,6%5,1%4,4%4,5%

(Geschäftsbericht 2012, 2014, ÄVWL-Image-Flyer)

Ärzteversorgung Niedersachsen

Zahlende Mitglieder: 32614
Rentner: 10992
Kapitalanlagen: 7.524 Millionen Euro

Nettorendite:

2009201020112013
k.A.k.A.k.A.3,9%

(berechnet aus GB 2013)

Bayerische Apothekerversorgung

Zahlende Mitglieder: 39183
Rentner: 10947
Kapitalanlagen: 7.538 Millionen Euro

Nettorendite:

2009201020112014
4,6%4,8%4,3%3,85%

(GB 2014)

Versorgungswerk der Architektenkammer NRW

Zahlende Mitglieder: 43807
Rentner: 8380
Kapitalanlagen: 8.253 Millionen Euro

Nettorendite:

2009201020112014
4,2%4,4%4,1%4,1%

Versorgungswerk der Rechtsanwälte im Lande Nordrhein-Westfalen

Zahlende Mitglieder: 35913
Rentner: 4183
Kapitalanlagen: 6.163 Millionen Euro

Nettorendite:

2009201020112014
4,4%4,3%3,2%3,66%

Bayerische Rechtsanwalts- und Steuerberaterversorgung

Zahlende Mitglieder: 40016
Rentner: 2684
Kapitalanlagen: 5.481,7 Millionen Euro

Nettorendite:

20092010201120132014
4,1%4,5%4,2%3,82%3,78%

Bayerische Architektenversorgung

Zahlende Mitglieder: 34891
Rentner: 7365
Kapitalanlagen: 5.584 Millionen Euro

Nettorendite:

20092010201120132014
4,3%4,8%3,2%3,8%3,8%

Versorgungswerk – erwartete Altersrente

Die Rente vom Versorgungswerk bei Ärzten und Zahnärzten ein wesentlicher Baustein der Altersvorsorge. Die jährlichen Mitteilungen der zu erwartenden Rente basieren in der Regel auf einer prognostizierten Rendite von 4%. Erwirtschaften die Kapitalanlagen der Versorgungswerke weniger Rendite, kann Ihre Rente deutlich niedriger ausfallen.

Bei einer monatlichen Ansparrate von 800 EUR die über 30 Jahre mit 4% verzinst wird, kann 20 Jahre lang eine Rente von 3.300 EUR gezahlt werden. Fällt der Zins um 1%, sinkt diese Rente um 23% auf 2.550 EUR. Ihre Rente würde um 750 EUR gekürzt werden! Diese Minderung summiert sich in 20 Jahren zu einem Verlust von 180.000 EUR!

Aus diesem Grund sollten Sie sich frühzeitig einen Überblick über die zu erwartenden Leistungen zu verschaffen. Nur so haben Sie die Möglichkeit noch rechtzeitig eventuelle Lücken durch private oder betriebliche Altersvorsorge auszugleichen.

Im Gegensatz zur privaten und betrieblichen Altersvorsorge bieten die Versorgungswerke keine garantierte Mindestverzinsung. Sollte Ihr Versorgungswerk zu optimistisch kalkuliert haben oder das Zinsniveau nicht wieder deutlich steigen, kann der Rechnungszins auch für bereits langjährig Versicherte gesenkt werden. Das Ergebnis ist eine Kürzung Ihrer Rente.

Schon heute gibt es mehrere Beispiele deutlicher Leistungseinschnitte:

In 2003 kürzte das Versorgungswerk der Zahnärzte in Niedersachsen die Renten massiv um ca. 50%

So mussten die Versorgungswerke in 2006 Ihre Leistungen deutlich kürzen, weil die Lebenserwartung der Mitglieder deutlich höher als prognostiziert war.

Dabei sind auch rückwirkende Kürzungen möglich: In 2003 das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin einer 60-jährigen Zahnärztin die Rente um 16% gekürzt.

In 2010 hat das Versorgungswerk der Berliner Juristen künftige Ansprüche seiner Mitglieder um bis zu 30% gekürzt.

Die Bayerische Versorgungskammer den Rechnungszins für Neumitglieder bereits auf 2,5% gesenkt.

Versorgungswerk - Vergleich Privatrente/Unterstützungskasse

Eine betriebliche Altersversorgung z.B. über eine Unterstützungskasse sowie private Altersvorsorge sind eine sinnvolle Ergänzung zum Versorgungswerk, da sie deutlich flexibler sind. Hinzu kommt, dass die Auszahlung der privaten Altersversorgung nur zu einem kleinen Teil zu versteuern ist und die Unterstützungskasse in der Gesamtbetrachtung steuerlich attraktiver ist. Dadurch können die Nachteile der Altersvorsorge im Versorgungswerk gut ausbalanciert werden.

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